Tag des Rechenschiebers

Kürzlich habe ich in meinem Kramkasten meinen alten Reiss-Rechenschieber, liebevoll ,,Schätzeisen“ genannt, wiedergefunden. So ein Teil war bis Mitte der 1970er Jahre unverzichtbarer Bestandteil der Schul-Mathematik und durfte im ingenieur-technischen Alltag nicht fehlen. (Rechts: 12 x 12 = ?)
Heute könnte doch gut und gern der Tag des Rechenschiebers sein – besonders weil genau vor 50 Jahren so ein Rechenschieber sehr weit herumgekommen war.
Dazu mehr im Beitrag … Weiterlesen

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Wahl-Fall im Mai ’89

Ende Mai dieses Jahres (2019) werden hier in Leipzig Kommunalwahlen (und nicht zu vergessen auch Europawahlen) stattfinden.
Ein guter Grund mal dreißig Jahre in den Mai 1989 zurückzublicken. Damals konnte die ,,Wählervereinigung“ in der DDR (Nationale Front unter Führung der SED) noch Traumergebnisse mit nahe 100 %iger Zustimmung einfahren. Jedenfalls wurde das in den offiziellen Ergebnislisten über Funk, Fernsehen und Zeitungen so mitgeteilt.

Aber, so ganz märchenhaft liefen die Wahlen im Jahr 1989 nicht ab.
Als Mitglied eines Wahlvorstandes im Wahlkreis 01 in Leipzig-Neustadt erinnere ich mich an ein paar Merkwürdigkeiten dieses Wahl-Falls …
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Schweigen und Angst

Mein Vater, Werner Stein, hat sein ganzes Leben gern und viel fotografiert: z.B. das alte Leipzig uns das Naundörfchen vor den Kriegszerstörungen, den 17. Juni 1953.

Auch am 10. November 1938 war er mit der Kamera in der Leipziger Innenstadt unterwegs und hat die Zerstörung der jüdischen Synagoge und jüdischer Kaufhäuser im Bild festgehalten.
Er hat mir erzählt, dass er damals als 24-jähriger fassungslos über die Gewalt und Zerstörungen war. Er hat an dem Tag weniger jubelnden Leute gesehen, sondern meistens machten sich Schweigen und Angst breit, über das, was da noch kommen könnte.
Diese sechs Bilder möchte ich deshalb als historische Mahnung hier vorstellen …

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ein Tag im Juni 1953

Leipzig, 17. Juni vor 65 Jahren

Im Nachlass meines Vaters habe ich einen Agfa Schwarz/Weiß-Rollfilm mit der Nummer 41 und interessanten Leipziger Negativen gefunden. Weil mein Vater  jedes Bild einzeln in einem Filmbuch eingetragen hat, wird schnell klar, dass da auch fünf Bilder vom 17. Juni 1953 mit dabei sind. Was auf diesen Bildern zu sehen ist und warum hier nebenstehend ein SED-Parteiabzeichen abgelegt worden ist, davon soll dieser Beitrag handeln. Weiterlesen

Stadtexpedition nach Süd-Reudnitz 1978 vs. 2016

Reudnitzer Ermittlungen …

L.-Reudnitz, auf der Stötteritzer Straße, 31.12.1978

L.-Reudnitz, auf der Stötteritzer Straße,
am 31.12.1978

Die Stadtteilexpeditionen, initiiert von Diana Wesser & Antje Rademacker sind interessant und empfehlenswert: die nächste findet übrigens aktuell unter dem Thema ,,Lenes Nachbarn – die andere Seite von Reudnitz“ in der Zeit vom 23.–30. April 2016 statt.  [siehe auch Text unten, unter Anmerkung].
Dazu hab ich hier einen kleinen Beitrag.

Im Artikel ,,Blizzard über Deutschland im Winter ’78/’79“ hatte ich über einen Silvesterbesuch geschrieben:
,,Für Silvester haben wir eine erweiterte Familienfeier bei Freunden in Reudnitz verabredet.“
Das möchte ich an dieser Stelle (und nach 37 Jahren) mit neuen Quellen nachrecherchieren. Weiterlesen

Weihnachts-Nachlese, 2015

… über ein Messeabenteuer aus dem Jahr 1999

1999_TitelMit 8 oder 9 Jahren habe ich zum Geburtstag ein kleines Taschenbuch aus dem Kinderbuchverlag Berlin bekommen, das von einem abenteuerlichen Besuch auf der Leipziger Messe im Jahr 1999 handelte. Ich fand das Buch damals sehr unterhaltsam, auch ein paar Illustrationen von einem meiner Lieblingszeichner Erich Schmitt waren mit drauf und drin. Irgendwann in der 1960er Jahren ist das Buch dann verschwunden – wie auch immer.
Kurz vor der Jahrtausendwende habe ich mich nochmals an diese Geschichte erinnert und mich gefragt, was denn nun im Jahr 1999 Realität geworden ist. Aber, leider war das Buch nirgends zu bekommen.
Aber, große Überraschung …       🙂    😉

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α und Ω vor 25 Jahren im FML

FML_1990_03… oder das Ende und der Neuanfang
mit der Kommunikationstechnik in Leipzig

Mit dem Fernmeldewerk Leipzig ging es vor 25 Jahren dem Ende entgegen (Omega als Synonym für das Ende im lateinischen Alphabet). Nur ein relativ kleiner Kernbereich der Kommunikationstechnik konnte die Wende in den Jahren 1989/90 überdauern und die Basis für eine Weiterentwicklung bis heute bilden (Alpha – der Neuanfang).
Damals gab es nicht nur bei der Postanschrift (Postlaufzeit Anfang Oktober 1990)  Irritationen auf beiden Seiten …
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Montagsdemo, 23. Oktober ’89

Das ist unsere Wende!

Montagsdemo, am 23. Oktober 1989

L-KMPl_Panorama_Okt.89An diesem Montagabend findet auf dem Leipziger Ring die größte Protestkundgebung in der Geschichte der DDR statt. Daran nehmen etwa 300.000 Menschen aus dem ganzen Land teil.
Der Zug formiert sich nach Friedensgebeten in sechs Kirchen. Unter Rufen ,,Wir sind das Volk“ und ,,Keine Gewalt“ ziehen die Demonstranten in dichten Reihen auf den Ring um das Stadtzentrum. Sie fordern freie Wahlen, warnen vor neuen Machtkonzentrationen und vor Wendehälsen … Weiterlesen

Eine Dienstreise nach BUNA

Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit

artikel-08Das Chemieprogramm der DDR sollte ursprünglich ab den 1960er Jahren die DDR-Wirtschaft stabilisieren und von Importen aus dem nicht-sozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW) unabhängig machen. Zunehmend mußte aber der teure Import-Rohstoff Erdöl immer mehr durch die einheimische Braunkohle ersetzt werden. Das führte vor allem im Raum Halle/Leipzig zu immer größeren Umweltbelastungen und -zerstörungen. In Leipzig konnten wir in den 1980er Jahren die Windrichtung allein am Gestank der Chemieschwaden ausmachen. Bei West-Wind roch es z.B. intensiv nach Kaffeesatz – das kam aus der Richtung der BUNA-Werke bei Schkopau. Bei einer Dienstreise im Januar 1983 nach BUNA zu ,,Elaste und Plaste aus Schkopau“ hatte ich meine Exa 1a-Kamera (in der Tasche) dabei und hab versucht die Zustände vor Ort zu dokumentieren …

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Montagsdemo, 16. Oktober ’89 – Tapetenwechsel

Wir fordern einen Tapetenwechsel!

Montag, am 16.10.1989

LE_Birke-02Am Morgen wird im Radio auf ,,Sender Leipzig“ das Knef-Chanson vom ,,Tapetenwechsel“ gespielt. Das ist schon kühn von den Radiomachern und eine provokative Aufforderung sich in der Dämmerung in Leipzig auf den Weg zu machen.
Im Text heißt es:
Ich brauch‘ Tapetenwechsel sprach die Birke
Und macht‘ sich in der Dämmerung auf den Weg
Ich brauche frischen Wind um meine Krone
Ich will nicht mehr in Reih und Glied
In eurem Haine stehen, die gleiche Wiese sehen
Die Sonne links am Morgen, abends rechts.
(Hildegard Knef, 1970)
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