Wintergarten-Kino, Nachtrag

… etwas russich, oder?

Im Netz habe ich ein sensationelles Bild mit nebenstehender Fassadenaufschrift aus der Zeit nach dem Krieg entdeckt [# 1]. Für alle, die sich mit kyrillischen Schriftzeichen nicht so auskennen: Союзинторгкино wird in lateinischer Umschrift ,,Sojusintorgkino“ geschrieben. Um welches Gebäude es sich hier handelt und warum dort diese russische Inschrift dranstand, davon hier mehr …

Das Bild, das ich kürzlich vom Leipziger Kinoexperten Ralph Nünthel erhalten habe, zeigt das Sojusintorgkino ,,Wintergarten“ in der Ernst-Thälmann-Str. 56, etwa im Frühjahr 1947. Nach dem 2. Weltkrieg waren die UFA-Kinos in der sowjetischen Besatzungszone und auch in Leipzig enteignet und, soweit noch nutzbar, dem sowjetischen Filmverleiher Sojusintorgkino unterstellt worden. Die neue Eigentümerinschrift wurde und wie man sehen kann, auch gleich mehrfach, an der Gebäudefassade, über dem Eingang und den Schaukästen gut sichtbar auf Russich angebracht.


Wie man dem ,,heutigen Spielplan“ über den Eingangstüren auf dem Bild entnehmen kann, lief gerade der russische Film ,,Der Schwur“. Darunter steht: ,,Ein Filmwerk von höchster künstlerischer Bedeutung“. Die heutigen Filmkritiken äußern sich, zumindest was den künstlerischen Wert des Films betrifft, sehr skeptisch. Dieser Stalin-Propagandafilm lief in den (ost-)deutschen Kinos ab Mitte Februar 1947 an und kam kurz darauf sicher auch auf die Leipziger Leinwände.
Dadurch läßt sich der Aufnahmezeitraum des Bildes gut abschätzen. Interessant auch der rechts neben dem Kino sichtbare Eingangsbereich zum Restaurant ,,Bergschlösschen“. Die großen ,,M“ auf den Tafeln rechts und links neben dem Gaststätten-Eingang weisen auf die Markranstädter Brauerei hin. Die Seitenfassaden-Inschrift an der Melchiorstraße ,,Kellner! – ein Markranstädter“ wies noch (in stark verwitterter Form) in den 1980er Jahren darauf hin.

Heute gibt es an dieser Stelle in der Eisenbahnstraße keine Häuser mehr – nur noch einen Parkplatz.
Das Kino und die Reste des Bergschlößchens wurden in den 1990er Jahren abgerissen. Auch an die Melchiorstraße erinnert nichts mehr …


Quellenangaben und Hinweise:
Bild und Veröffentlichungsgenehmigung habe ich von Ralph Nünthel (Leipziger Lichspieltheater-Archiv) erhalten – vielen Dank!
Wintergarten-Kino (1)
Wintergarten-Kino (2)

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