Leipzig-Ost, Einblicke 1977 -2017

Wir bitten unsere Kundschaft in tanzgerechter Kleidung zu erscheinen!
KEINE JEANS

Gute Frage zum heutigen Welttanztag (29. April 2017):
wer kennt diesen Aushang und wo könnte das gewesen sein?
Zusatz: … und wie sieht es dort heute aus?

Ernst-Thälmann-Straße
Ende April 1977
Ich habe das Bild (links) mit meiner Exa 1a im Jahr 1977 in der damaligen Leipziger Ernst-Thälmann-Straße, am Haus Nr. 72, am Eingang zum Tanzlokal ,,Bayrischer Hof“ aufgenommen. Wir sind da nie drin gewesen. Peter K, aus Norderstedt schrieb mir dazu: ,,Im ‚Bayerischer Hof‘ war ich nur 1 x . Ein Freund von mir (Wolfgang Helm) machte da den Disc Jockey. All zu groß war es da nicht.“
Das rechte Bild mit den Häusern Ernst-Thälmann-Straße Nr. 72 bis 76 an der Straßenbahn-Haltestelle Hermann-Liebmann-Str. entstand auch etwa um diese Zeit. Da lassen sich viele interessante Details erkennen:

  • rechts das Haus Nr. 72 mit der gefliesten Fassade und dem Eingang zum ,,Bayrischen Hof“, nicht sichtbar befand sich rechts davon ein Kaffee- und Schokoladen-Geschäft,
  • in Bildmitte das Haus Nr. 74, im Schaufenster des linken Ladens ist ein frisierter Frauenkopf zu sehen, vielleicht befand sich damals dort ein Friseurgeschäft (?), davor steht typischerweise ein damals allgegenwärtiger Streifen-Volkspolizist, an der Hofeinfahrt ist links eine Tafel zu erkennen: ,,Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ – das war der Durchgang zum Mormonen-Tempel im Hinterhof (der ehemaligen Markthalle) und
  • links das Haus Nr. 76 mit zwei großen Ladenzonen, rechts ein Molkereiwaren-Laden.

Auch die Fahrzeuge auf der Straße (damals als Leipziger Durchgangsstraße der Fernverkehrsstraße 87) sind interessante Fahrzeuge auszumachen (von rechts nach links):

  • der LWK mit dem ,,CA“ an der Tür gehört nicht etwa zur C&A-Handelskette   😉   sondern zur ,,Sowjetskaja Armija“, also zur Gruppe der sowjetischen Streikräfte in Deutschland, ein URAL vom Typ 4320 – in Leipzig gab es zwei große Russen-Kasernen, eine in der Grünauer Gegend und eine in Richtung Taucha und da gab es ständig Fahrten durchs Stadtgebiet zwischen diesen Kasernen, nichts besonderes,
  • davor ein Wartburg 353 mit einem Berliner Kennzeichen (I als Kennbuchstabe für Berliner Fahrzeuge),
  • links davor ein typisches Auto der ,,Kleinen Leute“, ein Trabant 601 S  und
  • am linken Bildrand ein Wartburg 312 Camping (würde ich meinen), beide Fahrzeuge mit  Leipziger Kennzeichen (S und U waren die Anfangs-Kennbuchstaben für Fahrzeuge aus dem Bezirk Leipzig).

Abends sind wir in den 1970er bis zum Anfang der 80er Jahre oft durch die Ernst-Thälmann-Straße bis zum Torgauer Platz flaniert und haben ,,Schaufenster geguckt“. Das war oft ein schöner Tagesabschluss.

Die Lage der genannten Häuser habe ich auf den folgenden Stadtplan-Ausschnitt aus dem Jahr 1929 hervorgehoben (damals wie heute: Eisenbahnstraße). Beim Haus Nr. 72 kann man im Hofbereich ein anschließendes Gebäude erkennen, vermutlich der Anbau des Tanzlokals. In der 1930er Jahren bis nach dem Krieg war Otto Schuh der Gastwirt und Besitzer des ,,Gesellschaftshauses Bayrischer Hof“. Beim Haus Nr. 74 ist im Hofbereich neben dem Ostbad die alte Markthalle, damals als Kino (Lichtspieltheater) zu erkennen. Das Haus Nr. 76 wurde übrigens erst im Jahr 1910/11 gebaut, vorher stand auf dieser Fläche die Sirup-Raffinerie der Fa. Leue & Weise.

Eisenbahnstraße / السكك الحديدية الطريق الشرق الأدنى
April 2017
Wie sieht es heute dort aus – etwas arabisch könnte man meinen?
Den aktuellen Kartenausschnitt, oben auf der rechten Seite, habe ich GoogleMap Ende April 2017 entnommen und ein paar Hausnummern zur besseren Orientierung eingefügt.

Das Bild links zeigt fast die gleiche Straßensituation wie auf dem Bild oben vor vierzig Jahren.

  • Das Haus Eisenbahnstraße 72 mir dem ,,Bayrischen Hof“ wurde in den 1990er Jahren abgerissen.
  • Die Ladenzone der Nr. 74 ist wieder genutzt: rechts ein Friseur-, links ein Telekommunikations-geschäft. Im Hof befindet sich nicht mehr der Mormonen-Tempel, sondern ein ALDI-Einkaufstempel mit einem ,,Ost-Passage Theater“ im Obergeschoss.
  • Im Haus Nr. 76 befindet sich heute ein Döner-Bistro und
  • die Autos sind auch etwas größer geworden (fast doppelt so lang wie ein Trabi, wenn man das mal mit dem obigen Bild vergleicht!).

Gegenüber am Haus Nr. 71 (rechtes Bild) habe ich an einem Imbiss nur arabisch beschriebene Aufsteller-Tafeln gesehen. Die arabischen Ziffern kann ich ja noch lesen, aber sonst – keine Ahnung, was es da geben könnte. Oder kann das jemand entziffern?

Kritisch muss ich anmerken, dass das leider heute in der Gegend an der Eisenbahnstraße, die heute mit dem Spitznamen ,,Nah-Ost“ bezeichnet wird, keine Seltenheit ist …

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2 Gedanken zu “Leipzig-Ost, Einblicke 1977 -2017

    • SPU – alles klar 😉
      Folgt man den Veröffentlichungen in der Stadt, dann wohnen in der Gegend um die Eisenbahnstraße auch viele türkische, russische und irakische Ausländer, die zum großen Teil (außer den Irakern) kein Arabisch lesen und verstehen können (natürlich auch die 65 % Deutschen). Was soll’s also? Vielleicht separiert man sich gern oder will nichts mit Anderen zu tun haben … Kein gutes Zeichen!

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