Zwischen Tristesse und Hoffnung

kogstr-18Gestern war ich mal wieder im Leipziger Wohngebiet von Neustadt-Neuschönefeld unterwegs. Von der Ecke Konstantinstraße aus habe ich alte Häuser auf der Südseite der Kohlgartenstraße fotografiert.
Die alten Wohnhäuser Kohlgartenstraße 18 und 20 des früheren Reudnitzer Kerngebiets stehen leer und die Fenster sind teilweise zum Plakatieren frei gegeben. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Vandalen und Schmierfinken dort versuchen. Heute ein trister, trauriger und öder Ort…
Zwei Fragen: Was war hier früher für ein Leben und gibt noch Hoffnung?


grundstueck-lb-joachim-2017Aufnahme-Standort:
kohlgartenstr-18Wann entstanden diese Wohnhäuser?
Kohlgartenstraße 18
Das große repräsentative Eckhaus wurde etwa um 1900 herum in geschlossener Bebauung errichtet.

Kohlgartenstraße 20
Das Mietshaus wurde 1887 in ehemals geschlossener Bebauung mit Tordurchfahrt und Klinkerfassade mit Sandsteingliederung errichtet. Es ist heute als  Kulturdenkmal unter der Objekt-ID 09291399 ausgewiesen.

Auch die Häuser Kohlgartenstraße 24, um 1905  als Mietshaus errichtet (Objekt-ID 09291400) und Kohlgartenstraße 26, in den  1880er Jahren als Mietshaus errichtet (Objekt-ID 09291401) sind in der Liste der sächsischen Kulturdenkmäler vermerkt. Scheinbar eine geschichtsträchtige Gegend.

Der Gebäudekomplex in der Ranftsche Gasse 14 mit Namen ,,Medienhof“ ist in seinen Grundzügen im Jahr 1924 errichtet worden, die Gebäude wurden, so wie es aussieht nach 1990 saniert und werden heute von einer Vielzahl kleiner Firmen genutzt. Der ,,Medienhof“ auf dem Grundstück an der Renftschen Gasse läßt heute Hoffnung aufkeimen, dass in der Gegend dort noch nicht alles verloren ist.


Laut den Einträgen im Leipziger Adreßbuch aus dem Jahr 1929 fand in diesen Häusern früher eine rege Geschäfttätigkeit statt:

Nr. 18 (mit Brandkataster-Nummer BKN 82): Thiermann, E., Tapisseriewarengeschäft

Nr. 20 (mit BKN 83): Sevin, F. A.: Kaschieranstalt
Stein, R., pratizierender Dentist
Hinterhaus: Verlag W. Goldmann & Dr. E. Auckenthaler

Nr. 22 (mit BKN 84): [heute Häuserlücke] mit zahlreichen Firmen-Niederlassungen
Rößiger & Waldmann, Feilenfabrik GmbH
Druck- und Verlagsanstalt E. Hamm GmbH
Görnandt, M., Böttcherei
Reichardt, P., Institut für Bestrahlungen
Zürn, E., Prägeanstalt

Nr. 24 (mit BKN 85): Glausch, E. und K., Buchdruckerei
Horn’s Gravieranstalt und Zinkographie, Inhaber Lein, Arno
Münch, R., Lederschärferei
Schreckenberger, P., Maschinenfabrik

Nr. 26 (mit BKN 86): Murch, W., Ofengeschäft
Schreier, O., Kaufmann

Ranftsche Gasse 14 (mit BKN 42): Matgra AG, Materialbeschaffungsstelle für das graphische Gewerbe

Davon ist heute fast nichts geblieben!


In einem zweiten Teil zur Geschichte dieser scheinbar öden Ecke an der Kohlgartenstraße möchte ich der ursprünglichen Bebauung nachspüren und da wird erkennbar, was das mal für eine tolle Gegend früher für die Stadt Leipzig und für Reudnitz gewesen ist.
Der Titel lautet: ,,Ode an die Brot- und Kuchenbäcker zu Reudnitz„. [Demnächst auf diesem BLOG]

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4 Gedanken zu “Zwischen Tristesse und Hoffnung

  1. Ich habe 1968 Ranftsche Gasse 14 gearbeitet. Es war Papier und graphischer Bedarf ob VEB oder nicht ist mir entfallen. Die Gebäude standen da schon. Aber daneben war die Grenzstr. mit dem Grenzjäger. Das ist alles verschwunden.Die komplette Grenzstr. einfach weg.

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    • … ja und Danke, das stimmt. Die eigentliche Bausubstanz des ,,Medienhofs“ geht auf das Jahr 1924 zurück und wurde nach der Wende weitestgehend saniert. Ich habe das im Text angepasst. Gruß Harald

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  2. Mein Opa lebte, seit er 1927 heiratete, in der Gabelsbergerstraße 17. Leider, so wurde mir von meinem Vater berichtet, wurde das Wohnhaus ohne nachvollziehbare Gründe in der Anfangszeit der DDR abgerissen und mein Opa, meine Oma und mein Vater, damals gerade ein Jahr alt, mussten wegziehen. Einige Jahre später wurde an der Stelle ein Wohnblock errichtet, der heute noch steht.

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    • Hallo Herr Bossert, das Haus in der Gabelsbergerstraße stand auf der linken Seite zwischen Kreuzstraße und Kuchengartenstraße. Ich denke, dass sich dieses Grundstück im 18./19. Jahrhundert auf dem Gelände des berühmten Reudnitzer Kuchengartens befand. Da bin ich noch am Recherchieren, aber bald soll darüber ein kleiner Artikel hier im BLOG erscheinen. Grüße aus Leipzig

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