der ,,Karlex“ im Leipziger Osten

l-sellerh_karlex_76-08bOh, was ist denn das hier?
Auf diesem Dia-Scan vom August 1976 aus meinem Fotoarchiv ist ein schicker Triebwagenzug zu sehen, der über eine Brücke fährt, die sich an einem ,,Abzweig Püchauer Straße“ befindet.
Das war ein zufälliger Schnappschuss, den ich bei einem kleinen Familienausflug nach Machern aufgenommen hatte, als wir am Haltepunkt Leipzig-Sellerhausen auf die S-Bahn in Richtung Wurzen gewartet hatten.
Und das ist auch ein interessantes historisches Bild …

Bei dem Zug handelt sich um einen Express-Triebwagen ,,Karlex“, der vormittags von Berlin-Ostbahnhof über Leipzig (Mittagszeit, siehe Bahnsteiguhr) in Richtung Altenburg / Plauen nach Karlovy Vary in die benachbarte Tschechoslowakei fuhr.

Eine kurze Recherche zeigt, dass die von 1969 bis 1981 beim ,,Karlex“ eingesetzten Triebwagen der Baureihe VT 18.16 (ab 1970: Baureihe 175, ,,Bauart Görlitz“) hochwertige Züge der Deutschen Reichsbahn waren. Damit wollte die DDR auf den internationalen Bahnstrecken ihr Prestige erhöhen.  Die Entwicklung dieser Baureihe ging ursprünglich auf den ,,Kruckenberg-Schnelltriebwagen“ (Triebwagen 137 155) zurück, der 1938 nach Entwürfen von Franz Kruckenberg zu Versuchszwecken gebaut wurde [bei Wikipedia kann man darüber nachlesen]. Solche Züge der Baureihe VT 18.16 fuhren als ,,Karlex“ (Berlin – Leipzig – Karlovy Vary) und ,,Karola“ (Leipzig – Karlovy Vary) bis zum Ende des Sommerfahrplans am 26. September 1981. Heute kann man sie nur noch in Bahnmuseen bewundern.
Diese Triebwagenzüge der Deutschen Reichsbahn (DDR) waren faktisch Konkurrenten zum Trans-Europ-Express der Baureihe VT 11.5 der Deutschen Bundesbahn (BRD). [Anmerkung: VT – Verbrennungstriebwagen]

haltepunkt_l-sellerhausen_2016Zum Haltepunkt L.-Sellerhausen sind wir damals mit der Straßenbahnlinie ,,2″ von der Einertstraße aus bis zur Sellerhäuser Kirche gefahren und dann die kurze Strecke bis zum S-Bahn-Haltepunkt zu Fuß gelaufen.
Damals gab es übrigens zwei Haltepunkte Sellerhausen: einen oben auf der Brücke für die S-Bahnlinie A zwischen Hauptbahnhof-Gaschwitz und einen unteren, auf der S-Bahnlinie B zwischen Leipzig und Wurzen.

Heute ist die ,,obere“ Strecke, die über das Rietzsche-Viadukt nach Stötteritz führte stillgelegt, wie man auf dem nebenstehenden osm-Kartenausschnitt sieht. Dort gibt es derzeit ein Projekt unter der Bezeichnung ,,Parkbogen Ost“ über den etwa 5 km langen Bereich mit Fuß- und Radwegen auf der ehemaligen Bahnstrecke.

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Ein Gedanke zu “der ,,Karlex“ im Leipziger Osten

  1. Mit der Stilllegung des Haltepunktes Leipzig-Ost zur Eröffnung des „City-Tunnels“ ist ja nun die östliche Leipziger Vorstadt weitestgehend bis zum Bahnhof Sellerhausen(in/von Richtung Grimma) abgeschnitten. Ob und wie das gewollt war, entzieht sich meiner Kenntnis!
    Danke für das Bild und schon einmal einen „Guten Rutsch“ wünsche ich!
    [Anmerkung Harald St.: die ganz spezielle Leipziger Verkehrsplanung hatte schon immer fantastische Züge, jetzt gilt de Vorrang Rad und Fuß – vielleicht fehlen momentan echte Visionäre. Verhinderer lösen das Thema nicht!]

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