der Fall Neustädter Straße 20

Nst.20-Fall-10dHier  geht’s diesmal nicht um einen kriminellen Fall, sondern um den Ein-,,Fall“ unseres Nachbarhauses an der Leipziger Eisenbahnstraße im August 1992. Der hatte natürlich direkte Auswirkungen auf die bis dahin dort wohnenden 12 Leute und indirekt auch auf die etwa 35 Einwohner unseres Hauses.
Im Beitrag geht’s also um diese selbst erlebte Geschichte und die Bilder, die ich in dieser Zeit mit meiner Exakta Varex VX auf AGFA XRG 100 dazu aufgenommen hatte.

L-Nst_92-08-04_36Am 4. August 1992, Leipzig-Neustadt, Neustädter Str. 18, 2. Etage, rechts.
Nach einer trockenen und heißen Leipziger Augustwoche mit Temperaturen um die 30 Grad saß ich an diesem Dienstagabend um halb 9 herum in unserem Arbeitszimmer am Hinterhof.
Plötzlich brach draußen die Hölle los: zuerst klang es wie ein dumpfer Aufprall-,,Rummmsss!“, anschließend nach dem klirrenden Leeren eines großen Glas-Containers und dann hörte ich Schreie und lautes Rufen.
Ein entsetzter Blick aus dem Fenster zeigte das Desaster: in einer großen Staubwolke war unser (bewohntes) Nachbarhaus Nr. 20 mit seiner Rückfront einfach in den Hof gerutscht.
Im großen Nachbarhaus aus der Gründerzeit waren damals wegen des schlechten Bauzustandes von den 17 Wohnungen nur sieben bewohnt. Zum Glück konnten sich die anwesenden Hausbewohner alle retten.

Hier noch ein Zeitungsausschnitt aus der ,,Leipziger Morgenpost“ vom 6. August 1992
und ein paar der haarsträubenden Detail-Fotos:

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Schutthaufen mit Treppenhaus und Rückwand

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Badezimmer in der 3. Etage, ein ,,FREIBAD“

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2. Etage, links – unsere Nachbarwohnung

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2. Etage – ,,NO WAY!“ zum WC !

Das war einer der spektakulärsten Häuser-Einstürze in Leipzig.

Weil aber unser großes Nachbarhaus (die Nr. 18) im Jahr 1888 der Einfachheit halber ohne Brandmauer direkt an das ältere Haus (Nr. 20) drangebaut worden war, verfügte Mitte August das Bauordnungsamt Leipzig-Mitte, dass wir aus ,,baupolizeilichen Gründen“ alle ausziehen mussten. Grandioser Weise haben die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes quer durch unsere Wohnung ein rot-weiß gestreiftes Sperr-Band gezogen, damit wir die an das Nachbarhaus angrenzenden Zimmer nicht mehr betreten sollten – z.B. unser Schlafzimmer (!). Abends kam aber keiner Kontrollieren wo wir wirklich geschlafen haben …
Im September 1992 sind wir dann schließlich umgezogen.

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5 Gedanken zu “der Fall Neustädter Straße 20

  1. Ja daran erinnere ich mich auch noch, Geschrei und lautes Rumpeln. Wie eine Lieferung Kohlen nur eben „etwas“ lauter und dreckiger… Die Presse war dann auch da, sogar die privaten Fernsehsender.

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  2. Toi, Toi, Toi, daß alles doch so glimpflich abgelaufen ist (keine Verletzten/Tote) – Material kann man immer ersetzen (oder in diesem speziellen Falle eben nicht)! Typisch reißerischer Bericht der „Morgenpost“, Zeitung will ich solche Blätter gar nicht nennen – weiß schon, warum ich(persönlich) von solchen Blättern „Abstand nehme“! MfG…Tom

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  3. Pingback: A Week in Pictures 36/2016 | André Herrmann - How about nö?

    • Hallo André, viele Häusereinstürze könnte ich jetzt nicht in der Gegend an der Leipziger Eisenbahnstraße belegen, vielleicht hast Du da andere Quellen. Es gibt aber noch viele leerstehende, marode und ruinöse Häuser – da gebe ich Dir Recht. Grüße von wortblende

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