Weihnachts-Nachlese, 2015

… über ein Messeabenteuer aus dem Jahr 1999

1999_TitelMit 8 oder 9 Jahren habe ich zum Geburtstag ein kleines Taschenbuch aus dem Kinderbuchverlag Berlin bekommen, das von einem abenteuerlichen Besuch auf der Leipziger Messe im Jahr 1999 handelte. Ich fand das Buch damals sehr unterhaltsam, auch ein paar Illustrationen von einem meiner Lieblingszeichner Erich Schmitt waren mit drauf und drin. Irgendwann in der 1960er Jahren ist das Buch dann verschwunden – wie auch immer.
Kurz vor der Jahrtausendwende habe ich mich nochmals an diese Geschichte erinnert und mich gefragt, was denn nun im Jahr 1999 Realität geworden ist. Aber, leider war das Buch nirgends zu bekommen.
Aber, große Überraschung …       🙂    😉


… jetzt kurz vor Weihnachten 2015 hab ich das Taschenbuch im Schaufenster eines Leipziger Antiquariats in der Ritterstraße entdeckt und kurz entschlossen gleich mitgenommen. Als dann alle Welt vor Weihnachten wieder mal fragte, was ich mir wünschen würde habe ich das Taschenbuch schließlich zum 2. Mal geschenkt bekommen.

Mein ,, Messeabenteuer 1999“
von Werner Bender, Kinderbuchverlag  Berlin , stammt aus der 3. Auflage von 1960. Es ist damals in der Reihe Robinsons Billige Bücher als Band 15 erschienen.
Wenn ich daran denke, dass der ursprüngliche Text aus dem Jahr 1956 stammt und einer zukünftigen Entwicklung in Leipzig vorgreift, dann hab ich jetzt natürlich sehr interessiert im Buch bzw. der utopischen Geschichte geblättert.
Hier ein paar interessante Fiktionen (1956) im Vergleich zur Realität (2015):
Fiktion: In einem atomgetriebenen 1.000 PS-starken Schnellzug mit dem schönen Namen ,,Fliegender Leipziger“ fährt ein Münchner Bub Franz mit 350 km/h in nur 1 ½ Stunden von München zu seinem Freund Egon nach Leipzig zur Messe. Dieser Zug endet am unterirdischen Südbahnhof der Millionenstadt Leipzig.
Realität: Auf der Strecke München – Leipzig wird in naher Zeit der Hochgeschwindigkeitszug ICE 3 fahren. Er erreicht heute bei einer Dauerleistung von 8.000 kW (das sind etwa 11.000 PS !) eine Geschwindigkeit bis zu 320 km/h. Das Projekt eines Leipziger Südbahnhofs aus den 1930er Jahren wurde nicht umgesetzt, dafür wurde der Hauptbahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge umgebaut.

1999 L_ICE01.2016

Fiktion: Im Buch ist das Zigarette-Rauchen scheinbar normal – das ist heute gesundheits-politisch nicht mehr korrekt.
Fiktion: Zum Telefonieren außer Haus werden überall Telefonzellen benutzt.
Realität: Etwa zum Ende der 1990er Jahre setzte sich weltweit das Mobiltelefon durch. Eine derartige drahtlose Telefonie konnte sich Bender im Jahr 1956 noch nicht vorstellen …
Fiktion: Als öffentliches Verkehrsmittel gibt es in Leipzig eine Untergrundbahn ,,Metro“.
Realität: Seit Dezember 2013 gibt es eine unterirdische Nord-Süd-Verbindung für Regionalzüge, den City-Tunnel für das Mitteldeutsche S-Bahnnetz.

1999_metro L.Citytunnel.2016

Fiktion: Im Text wird ein afroamerikanischer US-Präsident Abraham Hilton (im Buch als ,,Neger“ bezeichnet) erwähnt.
Realität: Dass konnten sich damals sicher nur wenige vorstellen, heute ist ein farbiger US-Präsident bereits in seiner 2. Amtszeit und die Bezeichnung ,, Neger“ ist heute gesellschafts-politisch nicht mehr korrekt.
Fiktion: ,,Leipzig, die bis dahin schon erstrangige Heimstadt des Warenaustausches gewesen ist, wurde am 5. März 1978 von den Vertretern aller Völker zur ,,Stadt der Weltmesse“ gewählt. Seitdem halten Wirtschaftler, Wissenschaftler und Produktionsfachleute aus aller Welt alljährlich in Leipzig eine Generalberatung ab … Festwochen der Technik.“
Realität: Nach der Wende in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung verschwand die Leipziger Messe zur Freude ihrer Konkurrenten faktisch in der internationalen Bedeutungslosigkeit. Aber Fiktionen sind ja auch noch möglich …

Nach wie vor finde ich es schön, dass die beiden jugendlichen Helden Franz und Egon aus München und Leipzig auch schon in der Geschichte zu DDR-Zeiten gute Freunde waren. Das war schon eine tolle Fiktion in den Jahren mit Bevormundung, Besuchsverboten, Mauer und Stacheldraht.

Schön, dass das heute wieder ein Normalzustand für unsere Kinder ist!

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