Montagsdemo, 23. Oktober ’89

Das ist unsere Wende!

Montagsdemo, am 23. Oktober 1989

L-KMPl_Panorama_Okt.89An diesem Montagabend findet auf dem Leipziger Ring die größte Protestkundgebung in der Geschichte der DDR statt. Daran nehmen etwa 300.000 Menschen aus dem ganzen Land teil.
Der Zug formiert sich nach Friedensgebeten in sechs Kirchen. Unter Rufen ,,Wir sind das Volk“ und ,,Keine Gewalt“ ziehen die Demonstranten in dichten Reihen auf den Ring um das Stadtzentrum. Sie fordern freie Wahlen, warnen vor neuen Machtkonzentrationen und vor Wendehälsen …

Wir hier vor Ort in Leipzig hatten den Eindruck, dass die in Berlin noch fest in den Ämtersesseln aussitzende DDR-SED-Regierung mit aller Macht versuchte die Protestler wieder von der Straße zu holen und schnell wieder zum ,,sozialistischen“ Alltag zurückkommen wollte.
Deshalb war es wichtig, dass gerade am 23. Oktober die Montagsdemos nicht abreißen durften. Diesmal hatte ich meine Exa 1a mit dabei und habe punktweise paar Rundum-Aufnahmen gemacht. Heute lassen sich daraus mit Photoshop ganz tolle Digital-Panoramas gestalten. Mit der Kamera bin ich vom Karl-Marx-Platz aus über den Hauptbahnhof, unter dem  ,,Blaue Wunder“ hindurch und an der ,,Runden Ecke“ vorbei dem Demonstrationszug voller Spannung gefolgt.

Beobachtung:
Der gesamte Innenstadtring ist mit Menschen gefüllt – als die Spitze des Demonstrationszuges am Karl-Marx-Platz in der Höhe des Gewandhauses nach der Stadt-Umrundung wieder ankommt, da laufen gerade die letzten in Richtung Hauptbahnhof los.
Mannschaftswagen oder Einsatzgruppen sind heute nicht zu sehen. Stattdessen patrouillieren ein paar Volkspolizisten am Rande des Geschehens. Am Leuschnerplatz steht ein mit brennenden Kerzen geschmücktes Polizeiauto. Die Polizisten stehen davor uns freuen sich …

Hintergrund:
18.10.1989:
Um 14.27 Uhr tritt SED-Generalsekretär Erich Honecker zurück. Offizielle Erklärung: aus Gesundheitsgründen. Neuer Generalsekretär der SED wird der frühere Berufsjugendliche (jahrzehntelanger FDJ-Chef) Egon Krenz, kurz ,,Egon“ genannt.
Das DDR-Fernsehen sendet am Abend eine Ansprache von Egon Krenz an die DDR-Bürger:
,, … Mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wieder erlangen.“ [ND, 19. Oktober 1989]
Damit ist das Wort der folgenden Wochen und Monate geprägt – die Wende!
20.10.1989:
Das Zentralorgan der SED, Neues Deutschland (ND), verkündet auf vier Seiten die politische Wende: Dialog statt Konfrontation.
Auf einer Zusammenkunft des Präsidiums des Komitees für Unterhaltungskunst äußert SED-Politbüromitglied und ZK-Sekretär Kurt Hager auf die Frage nach dem Beweggrund, Egon Krenz auch für den Vorsitz im Staats- sowie Nationalen Verteidigungsrat vorzuschlagen, das ZK der SED halte dies für notwendig, um die Wende zu sichern.

Einwurf: das ist aber nicht Eure, sondern unsere Wende!

23.10.1989, in DDR-Fernsehen und Presse
berichten erstmals Reporter live vom Geschehen. Der sechsspurige Ring um die Altstadt könne ,,die Menge nicht mehr fassen. Der Verkehr ist völlig zum Erliegen gekommen.
Einen Tag später steht auch ein (fast) sachlicher Artikel im ND.

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Ein Gedanke zu “Montagsdemo, 23. Oktober ’89

  1. Kaum zu glauben, daß dies nun schon mehr als 26(!) Jahre her ist. Danke für die Bilder und schon einmal einen „Guten Rutsch“ wünscht der Tom aus Stötteritz!

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