3 + 1 Bilder vom ,,Thüringer Hof“ in Leipzig

LE_Stadt-02d… habe ich jeweils mit einem Blick nach Norden, entlang der Burgstraße zur Thomaskirche, aus den Jahren 1947, 1969 und 2015 vorliegen.

+ Inzwischen habe ich noch ein 4. Bild vom Thüringer Hof entdeckt, dass mein Vater, Werner Stein, im März 1956 als reizvolle Nachtaufnahme mit seiner damals neuen Exa (,,0″) aufgenommen hatte, siehe Unten.

Gerhard_1947oR 1969_Messe 2015_Stadtfest

Links ein historischer Blick aus einer Originalskizze meines Großvaters Bruno Gerhard Stein, die er im Jahr 1947 als Leipziger Stadtbaumeister nach einer Vorlage aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts angefertigt hat. Nach der weitestgehenden Zerstörung des Gebäudes bei einem britischen Luftangriff im Dezember 1943 war bis zu Jahr 1949 ein teilweiser Wiederaufbau des Gebäudes bis zur ersten Etage vorgesehen. Das ist dann auch unter Berücksichtigung der noch vorhandenen Mauerreste in der Erdgeschosszone so umgesetzt worden.
In einem mir vorliegenden Stadtführer ,,Baedeckers Leipzig“, in Arbeitsgemeinschaft mit Karl Baedecker verlegt vom Bibliographischen Institut, Leipzig 1948 (Leipzig C1, Täubchenweg 17) kann man auf Seite 32 folgendes über die Burgstraße und den Thüringer Hof lesen:
,,Südlich von der [Thomas-] Kirche führt die großenteils zerstörte Burgstraße zum Burgplatz, einst reizvoll durch ihre alten Häuser und den Blick auf den Thomaskirchturm. Links (Nr. 23-19), an der Ecke des Sporergäßchens stand der Thüringer Hof, eine berühmte volkstümliche Gaststätte, die ihren Namen seit 1838 trug und in zwei stattlichen, noch aus der gotischen und der Renaissancezeit stammenden Gebäude untergebracht war (zur Zeit Sporergasse 6-12; Neubau geplant). Hier hatte 1746-48 der Dichter Klopstock als Theologiestudent gewohnt; seit 1833 lebte der Komponist Robert Schumann hier.“

In der Mitte ein Dia, das während der Messezeit im Jahr 1969 aufgenommen wurde. Ein besonderer Blickfang am Thüringer Hof war der sechseckige Brauerstern über dem Eingangsportal der Burgstraße 21.
Vielen Dank für die Überlassung des Scans an Michael Sobotta.

Rechts eine Aufnahme von heute. Nach dem Abbruch der alten Bausubstanz Anfang der 90er Jahre wurde das gesamte Grundstück Burgstraße 19-23 in den Jahren 1993 bis 69 als fünfstöckiger Neubau neu errichtet. In der Erdgeschosszone wurde unter Berücksichtigung historisierender Bezüge zum Vorkriegsbau wieder eine Gaststätte mit dem Namen Thüringer Hof eingerichtet.

Und unten eine reizvolle Nachtaufnahme vom fahnengeschmückten Thüringer Hof zur Frühjahrsmesse 1956. Weil mir der Film 59 Jahre später nicht mehr zur Verfügung stand, mußte ich hier ein Papierfoto einscannen, dass aber in der leichten Weichzeichnung auch seinen Reiz hat …

L_1956_03_Burgstr_THof.pkaufgenommen mit Exa 0 und Objektiv Tessar 3,5, 50 mm (Carl Zeiss)

Fazit nicht genutzter Chancen:

– Der Brauerstern, das historische Hauszeichen, gibt es auch noch – allerdings wurde er etwas versteckt um die Ecke am Nebeneingang im Sporergäßchen platziert. Das wäre an alter Stelle über dem Eingang Burgstraße 21 sicher ein toller Blickfang und ein ausgezeichnetes Fotomotiv für Touristen gewesen …

– Sonst an den Gebäuden der Leipziger Innenstadt angebrachte Gedenktafeln zu bedeutenden Bewohnern sucht man leider vergeblich: kein Hinweis auf Friedrich Gottlieb Klopstock oder Robert Schumann.

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2 Gedanken zu “3 + 1 Bilder vom ,,Thüringer Hof“ in Leipzig

  1. Hallo. Ich habe per Zufall grad diesen Blog gefunden, weil ich auf der Suche nach den Örtlichkeiten einer alten Zeichnung, die ich auf dem Flohmarkt erstanden habe, war. Sie zeigt exakt die Ansicht aus der Skizze des Ihres Großvaters, jedoch noch ein wenig detaillierter. Leider kann ich nicht entziffern, wer meine Zeichnung erstellt hat, noch aus welchem Jahr sie datiert. Nun weiß ich jedenfalls endlich, was sie abbildet 🙂

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    • Hallo Frau Block, der Blick durch die Leipziger Burgstraße Richtung Thomaskirche war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts beliebt und wurde häufig skizziert. Ihr Bild ist vielleicht in den 1920er oder 30er Jahren entstanden. Meinem Großvater ging es im Jahr 1947 wie im Text beschrieben um Möglichkeiten des einfachen Wiederaufbaus der Burgstraßen-Gebäude nach dem Krieg. Danke für die Kopie, ich konnte den Namen des Zeichners auch nicht entziffern. Grüße!

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