Historisches über Leipzig-Neustadt

[Artikel stammt zum Teil aus dem Heft 1 zur Wohngebietsgeschichte, der im Jahr 1988 im Eigenverlag des WBA (Wohnbezirksausschusses) 102 erschienen war]

Geschichte_03Historischer Einblicke in die Geschichte von Leipzig-Neustadt  von der Ortsgründung bis zu dessen Eingemeindung zur Stadt Leipzig.

1. Ursachen der Ortsgründung
Leipzig-Neustadt ist, historisch gesehen wie auch der Nachbarort Neuschönefeld eine neuere Ortsgründung. Es ist weder aus einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft noch aus einem alten Ortskern heraus gewachsen, wie man das im benachbarten Schönefeld, Reudnitz oder Volkmarsdorf heute noch mit etwas Fantasie erkennen kann. Gesicherte historische Erkenntnisse liegen ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor.

Über Anzeichen frühgeschichtlicher slawischer Besiedlung und dem nahen früheren Verlauf der „Niederen Straße“ im Neustädter Territorium bis hin zu den Ereignissen der Völkerschlacht im Oktober 1813 habe ich bereits in zwei Beiträgen geschrieben, siehe [Artikel über die Rietzschke, Goethe, Kohl und Napoleon und Artikel über die Völkerschlacht]. Wer will, der kann dort nachschlagen.

Ich möchte hier deshalb mit der Zeit nach dem Beitritt Sachsens zum Norddeutschen Bund und dessen Verfassung ab dem Jahr 1867 beginnen. Hatte sich die Leipziger Bevölkerungszahl früher vor allem durch Zuzüge aus dem sächsischen Raum stabilisiert und langsam progressiv entwickelt, so war dieser Beitritt  Ursache zu einer unvergleichbar hohen Einwanderungsrate vor allem aus den norddeutschen und aus entfernten, dem Bund angehörenden Ländern.
Waren zuerst die Vorstädte an den alten Landstraßen entstanden so verlagerte sich das Wachstum zunehmend in das Gebiet der Bahnhöfe. So wuchsen auch entlang der Leipzig-Dresdner Eisenbahnlinie ,,Neubaue“ und ,,Anbaue“[siehe Artikel über die Entstehung von Neuschönefeld]. Die östlichen Vororte Leipzigs nahmen dabei eine besondere Stellung ein, da sie durch ihre nahe Lage zueinander und zur Stadt Leipzig rasch zusammenwuchsen.

2. Entstehung eines Neuen Anbaus von Schönefeld
Noch vor etwa 150 Jahren erstreckte sich auf dem Territorium des heutigen Wohngebiets Leipzig-Neustadt eine Feldparzelle des Ritterguts Schönefeld. Besitzerin des Ritterguts war seit 1849 die Baronesse Hedwig von Eberstein. Verwaltungsmäßig gehörte Schönefeld, als Nachbardorf Leipzigs, zur Amtshauptmannschaft Leipzig des Königreiches Sachsen.

Geschichte_04 Die Feldparzelle Nr. 181 des Ritterguts Schönefeld hatte damals die Form eines rechtwinkligen Dreiecks, das nur an seiner Westspitze, nach Leipzig hin, durch den heute nicht mehr sichtbaren Rietzschke-Bach abgeschnitten war, siehe linksstehende Kartenskizze.

Im Norden reichte diese Feldparzelle bis zum heutigen Stannebeinplatz. Damals stand dort die Windmühle des Windmüllers und Wettervorhersagers Friedrich Wilhelm Stannebein. Im Süden dagegen grenzten die Feldstücken damals an die zwischen der Gemeinde Neuschönefeld und dem neuen Wohngebiet verlaufenden Gleise der ersten deutschen Ferneisenbahn von Leipzig nach Dresden. Diese damals noch neue viergleisige Strecke verlief ungefähr auf der heutigen linken Seite der Eisenbahnstraße, und etwa an der Kreuzung Eisenbahn-/Althner/Rosa-Luxemburg-Straße zweigte damals eine 1851 angelegte Verbindungsbahn vom Dresdner zum Bayrischen Bahnhof ab in Richtung der Lutherstraße [siehe Artikel über die Eisenbahnstraße].
1858 wurde auf einem Stück der Parzelle 181 eine Dampfsägemühle, damals nach modernsten Konstruktionsrichtlinien, gebaut. Das Fabrikgelände der Bäßler & Bomnitz’schen Dampfsägemühle wurde in den Folgejahren zweckentsprechend bebaut und erweitert [siehe Artikel über das Dampfsägewerk].

L.-Neustadt, ältestes Wohnhaus: Neustädter Str. 20 mit Kataster-Nr.1 im April 1989

L.-Neustadt, ältestes Wohnhaus:
Neustädter Str. 20 mit Kataster-Nr.1 im April 1989

1866 entstanden auch erste Wohnhäuser am östlichen Rand des Fabrikgeländes. Diese Häuser waren im Jahr 1988 [als dieser Artikel geschrieben wurde] noch erhalten. Sie standen, unter Verwendung der heutigen Straßen-Bezeichnungen, etwa an der Ecke Neustädter/Ludwigstraße [siehe Artikel über die ältesten Häuser von Neustadt]. Als erstes Gebäude wurde das Wohnhaus in der [heutigen] Neustädter Straße 20 errichtet, später befand sich dort auch der Gasthof „Gambrinus“, siehe Bild vom Eingangsbereich.. Im Jahr 1992/93 wurde dieses Haus nach einem spektakulären Teileinsturz abgerissen.

Über den Bau der ersten Häuser auf dem Neustädter Gebiet und den Bestrebungen der ersten Ansiedler im ,,Neuen Anbau“ zur Eingemeindung nach Neuschönefeld schreibt Moritz Weißbach in der Geschichte der Gemeinde Neuschönefeld, erschienen im Jahr 1890:
,, Erst als Ende 1866 von Julius Müller ein Wohnhaus errichtet und schon ein weiterer Bauplatz von Herrn Lägel erworben worden war, drängte die Aufsichtsbehörde zur Einverleibung des ,,neuen Bebauungsplatzes“. Da der Gemeinderath nicht ohne weiteres darauf einging, wurde die provisorische Ueberweisung des Bäßler & Bomnitz’schen Besitzthums und der entstandenen Wohnhäuser Müllers und Lägels angestrebt, ohne für Neuschönefeld Erfolg zu haben. Schönefeld übernahm es. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, da die Rittergutsherrschaft die gestellten Bedingungen nicht anerkannte, bis im Jahre 1872, wo fortwährende Neubauten entstanden und es ein bevölkerter Ortstheil zu werden versprach.“

Schritt die Parzellierung bis 1870 nur langsam voran, so kam es nach dem deutsch-französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches in den sogenannten Gründerjahren zu einer raschen Aufsplitterung des gesamten Areals, die Einwohnerzahlen des ,,Neuen Anbau“ von Schönefeld stiegen sprunghaft an. Moritz Weißbach schrieb über die benachbarten Ansiedler :
,,Auch unter den Bewohnern des ,,neuen Anbaus“ machte sich der Wunsch rege, nach Neuschönefeld einbezirkt zu werden. Die Grundstücksbesitzer versammelten sich am 14. Februar 1873 zu einer Besprechung, in welcher ein Comité, voran Commissionsrath Henze, gewählt wurde zur Wiederaufnahme der Verhandlungen. Man forderte einen Tage- und einen Nachtwächter, Vertretung im Gemeinderathe, Gasbeleuchtung, öffentliche Brunnen und ein geordnetes Feuerlöschwesen.
Es war aber auch nicht zu verkennen, daß die communlichen Einrichtungen im ,,neuen Anbau“ viel zu wünschen übrig ließen, Diese Zustände waren auf das Provisorische und Widerrufliche der Gemeindezubehörigkeit von Schönefeld zurückzuführen.
Der Gemeinderath von Neuschönefeld wollte namentlich nur dann dem Antrage entsprechen, wenn die Gutsherrschaft sämmtliche Ortsstraßen beschleuße und chaussire und der Gemeinde diejenigen Rechte abtrete, die derselben seitens der Grundbesitzer hypothekarisch eingeräumt worden waren.  Das Jahr 1974 war zu Ende gegangen und noch immer war es beim Alten.“

Die neuen Einwohner arbeiteten zum großen Teil in Fabriken, bei der Eisenbahn oder waren kleine Handwerker. Es entstand eines der typischen Arbeiter-Wohngebiete des Leipziger Ostens.
Geschichte_05Entsprechend Angaben aus alten Stadtplänen habe ich im nebenstehenden Bild den Bebauungszustand des Schönefelder Neuen Anbaus etwa im Jahr 1875 skizziert. Das Wohngebiet breitete sich von der damaligen Hauptstraße (jetzt: Neustädter Straße) stetig in östlicher Richtung aus. Im Juli 1875 wurde ein erster eigener Feuerwehrzug gebildet [siehe Artikel über die Neustädter Feuerwehr].
Im Leipziger Tageblatt konnte man am 6. Februar 1876 über den neuen Ortsteil einen kritischen Artikel lesen:
,,Noch einmal und leider wahrscheinlich nicht zum letzten Male eine Historie von dem Stiefkinde der Muttergemeinde Schönefeld, dem sogenannten ,,Neuen Anbau“. Wenn nach dem kürzlich gethanen Ausspruche eines bekannten älteren Juristen, der in seiner Eigenschaft als Vertreter einer reichen und einflußreichen Gutsherrschaft viel in Gemeindeangelegenheiten arbeitet und deshalb wohl sicher viel Erfahrung hat, die jetzt wieder in den Vordergrund tretende Abtrennungsfrage erst in 1 – 2 Jahren gelöst sein dürfte, so überläuft dem Verfasser dieses Artikels wie auch jedem denkenden Bewohner des ,,Neuen Anbaus“ ein Gruseln, denn wir sind dann nicht mit einer, sondern mit zwei Ruthen gepeitscht, was auch für den allerzahmsten Sachsen ein wenig zu viel ist.
  …
Im Sommer bei den immer hier herrschenden Winde Staub zum Ersticken, im Winter nacj einem Regentage Schlamm zum Versinken, Abends in den Straßen rabenfinstere Nacht, kein öffentlicher Brunnen, ungenügende Polizei, die endlich beschaffte Spritze in einer Breterbude. – Wenn es so bleibt, so muß man Leipziger Polizeiorganen beipflichten, welche diese ganze Vorstadt mit: ,,der Verdacht“ bezeichnet.“ [Die etwas merkwürdig erscheinende Rechtschreibung und Orthografie entspricht dem Original des Zeitungs-Artikels]

Im Mai 1876 fand in Remmlers Restauration, heute Gaststätte „Altdeutscher Hof“, die erste Wahl eines provisorischen Gemeinderats für den Neuen Anbau statt. Infolge der fortschreitenden Gleis-Verlegungsarbeiten für den neuen Sammelbahnhof wurde der damalige Schönefelder Spritzenweg unterbrochen und schließlich über die 1877 übergebene Brücke der Verkehr nach Schönefeld umgeleitet. Nach mehreren provisorischen Ansätzen wurde im Oktober 1878 endlich ein eigenes und seinerzeit ein beispielhaft modernes Schulgebäude mit eigener Turnhalle eingeweiht, später ein Teil der Wilhelm-Wander-Oberschule [siehe Artikel über die Schulgeschichte].
Ab 1879 wurde der gesamte Eisenbahnverkehr, auch die Verbindungsbahn zum Bayrischen Bahnhof, über die neuen Gleisanlagen nördlich des Neuen Anbaus geleitet.
Tabelle 1Tabelle 1: Überblick der Bevölkerungsentwicklung in den Leipziger Ost-Vororten bis 1880

Mit dem Thema einer möglichen Eingemeindung des Neuen Anbaus zu Neuschönefeld kam man indes nicht zügig voran. Das lag sicher daran, dass die beteiligten Parteien zu unterschiedliche Interessen hatten:
–   Der Neue Anbau hatte kein eigenes Geld, das Steuereinkommen floss überwiegend in die Kassen der Muttergemeinde Schönefeld und im dortigen Gemeinderat waren die Mitglieder vom Neuen Anbau in der Minderzahl.
–   Neuschönefeld hatte bald auch kein Interesse mehr an einer Übernahme des Neuen Anbaus, da er durch das ständige Wachstum bis 1880 bald die Einwohnerzahlen von Neuschönefeld erreicht hatte und weiter wuchs. Das und der erforderliche Ausbau des neuen Ortes wäre zu Lasten der Altgemeinde Neuschönefeld sehr teuer geworden.
–   Schönefeld hatte prinzipiell kein großes Interesse am Ausbau des Ortes, da zu befürchten war, dass er früher oder später sowieso aus Schönefeld ausgegliedert wurde.
Daher ließen in zunehmendem Maße die ,,communlichen Einrichtungen im ,,neuen Anbau“ viel zu wünschen übrig“ wie Moritz Weißbach als Gemeindevorsteher von Neuschönefeld bereits im Jahr 1873 festgestellt hatte. Im Ort gab es aus diesem Grund bis dahin keine Straßenpflasterung, keine nächtliche Straßenbeleuchtung, kein fließendes Wasser in den Wohngebäuden, keinen eigenen Polizeiposten, keinen richtigen Versammlungssaal, kein Kranken- und kein Armenhaus …

3. Gründung der Gemeinde Neustadt bei Leipzig

Das sollte sich erst ab dem Jahr 1881 ändern, als am 9. Januar aus dem Neuen Anbau von Schönefeld endlich die selbständige Gemeinde Neustadt bei Leipzig wurde. Im Leipziger Dorfanzeiger konnte man am 12. Januar 1881 in der 2. Beilage auf Seite 9 darüber (also doch etwas weiter hinten) folgendes lesen:

,,Oertliches. Leipzig. Mit Genehmigung des Ministeriums des Innersen ist der Ortstheil ,,Neuer Anbau“, bisher zur Landgemeinde Schönefeld gehörig, von letzterer abgetrennt und zu einer selbstständigen Landgemeinde unter dem Namen Neustadt bei Leipzig constituirt worden.“

Schule und Kirche blieben vorerst noch mit Schönefeld verbunden. Für den Gemeinderat gab es jede Menge Arbeit nachzuholen. Dazu kam noch, dass im Juni 1881 das ,,Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ des Deutschen Reiches auch über die Gebiete der Leipziger Amtshauptmannschaft verfügt wurde, so daß die einerseits die organisatorischen Köpfe  der Leipziger Sozialdemokraten ausgewiesen wurden und andererseits vor allem in den Arbeiter-Wohngebieten unruhige Zeiten anbrachen. Das betraf auch die Ausweisung von Sozialdemokraten aus Neuschönefeld (drei Personen) und dem jungen Neustadt bei Leipzig mit fünf Sozialdemokraten. Besonders zu erwähnen das Neustädter Gemeinderatsmitglied Hermann Eichhorn, der nach zweimaliger Verhaftung wegen verbotener parteipolitischer Betätigung mit seiner Familie am 1. September 1888 schließlich (als Unverbesserlicher) ausgewiesen wurde.

Die Geschäftsberichte des neuen Gemeinde Neustadt wurden regelmäßig im Leipziger Dorfanzeiger veröffentlicht und geben auch heute noch Auskunft über die vielen zu erledigenden Aufgaben. So ging es zunächst um eine einheitliche Ortsbauornung, die Trennung des Schulverbandes von der ehemaligen Muttergemeinde Schönefeld, den Kranken- und Armenhausbau, einen Turnplatz für den eigenen Turnverein, eine nächtliche Straßenbeleuchtung, die Herstellung öffentlicher Gemeindebrunnen, die Pflasterung der Fußwege und die Verlängerung der Hedwigstraße bis zur Neuschönefelder Eisenbahnstraße. Die Gemeinde hatte auch noch kein ausreichendes Versammlungslokal.

L.-Neustadt, Gasthof Neustadt, um 1910

L.-Neustadt, Gasthof Neustadt, um 1910

Im Protokoll der Neustädter Gemeinderatssitzung am 22. November 1881 steht:

,, … Brauereibesitzer Offenbauer aus Thonberg … legte ein Bauconzessionsgesuch vor nebst Zeichnungen behufs Erbauung eines größeren Restaurationsgebäudes am Kirchweg.“

Dieser Gasthof Neustadt wurde im August 1882 eröffnet.

Ende des Jahres 1882 fuhr erstmals die Pferdebahn auf ihrer neuen Linie vom Augustusplatz über die Tauchaer Straße (Rosa-Luxemburg-Straße) und die Eisenbahnstraße bis zur Kirchstraße (Hermann- Liebmann-Straße) – mitten in die aufstrebenden Ostvororte Leipzigs.

Im Jahr 1883 wurde der Ausbau des Ortes mit der Straßenpflasterung auf der Hauptstraße (heute: Neustädter Straße) fortgesetzt, an den Straßen wurden nach der Installation von Petroleumlaternen ab dem 1. September 1884 auch ersten Gasbeleuchtungen eingeführt. Mit dem Bau öffentlicher Gebäude und der 1887 beginnende Umgestaltung der Eisenbahnstraße bekam der Ort nach und nach einen zunehmend städtischen Charakter. In diesen Zeitraum fiel auch die Eröffnung des Marienbad im Oktober 1887 im benachbarten Neuschönefeld [siehe Artikel über Badegelegenheiten]. Eine Zeit des Aufschwungs, auch im Handel und Gewerbe des jungen Ortes. Ende des Jahres 1885 ergab sich für die Gemeinde Neustadt ein stattliches steuerpflichtiges Gesamteinkommen von 2,7 Millionen Reichsmark.

4. Eingemeindung als Leipzig-Neustadt

Nach nur neun Jahren als selbständige Gemeinde Neustadt bei Leipzig erfolgte am 1. Januar 1890 die Eingemeindung der Ostvororte zur Stadt Leipzig. Im Leipziger Stadt- und Dorf-Anzeiger Nr. 1 vom Jahr 1890 kann man darüber folgendes lesen:

[Seite 10] Die Aufnahme der Vororte

Im außen und innen festlich geschmückten Schulhause von Volkmarsdorf fand sodann Punkt 10 Uhr der Einverleibungsactus für die Gemeinden Volkmarsdorf, Sellerhausen, Neuschönefeld und Neustadt statt: Vertreter waren außer den anwesenden Spitzen der Leipziger Behörde die Gemeinde-Schulvorstandsbeamten und die Schutzmannschaft der obengenannten vier Ortschaften. Herr Oberbürgermeister Dr. Georgi legte den Anwesenden klar, welche Arbeit es seit 10 Jahren gekostet hat, den Einverleibungsplan zur Reife zu bringen …

5. Nachträge

Hier möchte ich die historischen Einblicke in die Entwicklung von Leipzig-Neustadt bis zur Eingemeindung zur Stadt Leipzig mit ein paar Hinweisen abschließen.

  • Kirchenbau

Nach Erlangung der kirchlichen Selbständigkeit als Parochie Neustadt-Neuschönefeld wurde in den Jahren 1893/94 die Heilig-Kreuz-Kirche gebaut und am 31.10.1894 feierlich eingeweiht [siehe Artikel über die Kirchengeschichte].

  • elektrische Straßenbahn

Ab Oktober 1896 konnte man mit der elektrischen Straßenbahn nach Leipzig-Neustadt fahren. Die Linie der „Roten“ Straßenbahn von der Bergstraße kommend über die Kirchstraße nach Schönefeld nahm im Jahr 1898 ihren Betrieb auf.

  • Tabelle 2Bevölkerungsentwicklung

Tabelle 2: Überblick der Bevölkerungsentwicklung von Leipzig-Neustadt und benachbarten Wohngebieten von deren Eingemeindung bis zum Jahr 1919

  • Kriegszerstörungen

Im 2. Weltkrieg wurden etwa 50 Häuser des Wohngebiets zerstört oder schwer beschädigt. Bei einem Luftangriff im Dezember 1943 wurde auch der Neustädter Gasthof zerstört. Das lag wohl an der Nähe zu den Bahnanlagen bzw. Bahnbetriebswerk. Zum Kriegsende waren an öffentlichen Gebäuden auch die Schule und die Kirche beschädigt.
Ergänzung: auf dem Areal des Gasthofes wurde im Dezember 1963 der Kindergarten an der Hermann-Liebmann-Straße übergeben.

  • Verwaltungs-Umgliederungen

Nach dem 2. Weltkrieg gehörte das Neustädter Wohngebiet zunächst zum Leipziger Verwaltungsbezirk Zentrum/Ost, nach Gründung der DDR im Rahmen der Umgliederung der Stadtbezirke 1950 wurde Leipzig-Neustadt dem Verwaltungsbezirk 11 angegliedert.
Im Jahr 1952 erfolgte die Bezirksumgliederung der Länder auf dem Territorium der DDR. Auch in Leipzig erfolgte eine erneute Stadtbezirksumgliederung. Bis 1957 gehörte unser Wohngebiet zum 2. Stadtbezirk, dann zum Stadtbezirk Leipzig-Mitte.
Nach der neuen Gebietsgliederung vom 18.03.1992 umfaßt der heutige Ortsteil ,,Neustadt-Neuschönefeld” ein wesentlich größeres Gebiet als die alten Gemeindegrenzen dieser beiden Ortsteile ausweisen. Das Gebiet dieser Gemeinden ist um etwa 66 % größer geworden und nimmt jetzt eine Fläche von etwa 1 km² ein. Der Gebietszuwachs resultiert vor allem aus der Ausdehnung ins alte Reudnitzer Zentrum hinein, bis zur Markuskirchen-Gegend, und einer Ausdehnung in einen Teil des altenVolkmarsdorfer Ortskerns, an der Einmündung Berg-/Hermann-Liebmann- Straße.
Historisch gesehen eine eher schlechte Lösung …

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