… über Neustädter Verleger

[Im Neustädter Markt Journal, Heft Nr. 25 im Oktober 1994 auf Seite 8 ff. (Henze) und Heft Nr. 41 im Juli 1996 auf Seite 1 ff. (Gaebler) erschienen.]

Historisches über Neustädter Verleger

hist-58dZugegeben, ich bin in alte Karten und Stadtpläne vernarrt. Mit zwölf Jahren erbte ich von einem verstorbenen Onkel einen alten Atlas mit dem Titel ,,Andree‘s allgemeiner Handatlas in sechsundachtzig Karten“, herausgegeben von Velhagen & Klasing 1881 in Leipzig. Mit 30 cm x 42 cm passt er kaum in den Bücherschrank. Aus dem Nachlass meines Großvaters, der hier in Leipzig in den zwanziger und dreißiger Jahren Stadtbaumeister war, erhielt ich im Jahr 1969 einige sehr exakt ausgeführte Stadtpläne, bearbeitet von der ,,Vermessungsabtheilung des Leipziger Tiefbauamtes“, von Giesecke und Devrient in Leipzig herausgegeben ab dem Jahr 1903 und folgenden Ausgaben. Dazu kamen noch einige Stadtpläne aus den zwanziger Jahren, mehrere Wanderführer durch die Leipziger Umgebung und als Clou eine Leipziger ,,Radfahrer-Specialkarte“ mit sehenswertem Jugendstileinband aus dem Jahr 1910, alles herausgegeben von Eduard Gaebler‘s Geographischem Institut, Neustädter Straße 36 in Leipzig-Neustadt.

Über die großen Leipziger Verlage der Vergangenheit wurde schon viel geschrieben – über Gaebler‘s fand ich bisher weder etwas in Büchern noch Zeitschriften, selbst in der Deutschen Bücherei kann man nur ganz vereinzelt Hinweise finden.

Das soll sich aber mit diesem Beitrag ändern.

1. die Verlegerfamilie Henze

Adolf Henze

Adolf Henze (1814 – 1883)

Verlage und Buchdruckereien gab es früher nicht nur im ,,Mediengebiet“ von Reudnitz, sondern auch im Neustädter Gebiet. So war es nicht verwunderlich, dass die Urkunde im Grundstein der Heilig-Kreuz-Kirche am Neustädter Markt vom ortsansässigen Buchdrucker Henze geliefert wurde. Acht Mark, wie man der Kirchenbauakte entnehmen kann, das war für damalige Verhältnisse ein stolzer Preis (1893). Vielleicht ist das Papier besonders alterungsbeständig, im November wird diese Urkunde 100 Jahre alt.

Die genannte Druckerei Henze befand sich früher in den Häusern der heutigen Ludwigstraße 32 und 34. Diese Häuser gehören zu den ältesten im Wohngebiet Leipzig-Neustadt. Sie wurden von einem Herrn Spott  im Jahr 1870 auf der Wiese gebaut, man sieht heute noch die ähnliche Bauweise (Bildmitte).

Leipzig-Neustadt, 1992

Leipzig-Neustadt, 1992

Die fertigen Häuser übernahm dann im Jahr 1871 Commerzienrat Adolf  Henze, der eine dort Druckerei einrichten ließ. Adolf Henze war 57 Jahre alt, verheiratet, hatte vier Söhne und eine Tochter (eine weitere Tochter war bereits frühzeitig verstorben). Einen ersten eigenen Verlag hatte Adolf Henze zu Beginn des Jahres 1856 bereits in Leipzig-Neuschönefeld geründet. Im Adressbuch der Leipziger Ostvororte von 1882 steht: ,,Königlich-Sächsischer Commissionsrath, Buchdruckereibesitzer und beeideter Sachverständiger für Schriftvergleichung“.

Im November 1871 erwarb Herr Henze noch eine weitere, angrenzende große Feldparzelle, so daß er nun ein stattliches Gelände von etwa 7000 m² zwischen Ludwigstraße und Eisenbahnstraße (damals den Gleisen der Leipzig-Dresdner Eisenbahn, bis 1879) in seinem Besitz hatte. Die damals gepflanzten Bäume sind noch heute die Hofdominanten in diesem Häusergebiet. Auf dem Gelände soll es damals sogar einen kleinen Tierpark gegeben haben. Im Hause des Verlegers Henze fanden 1873 die ersten Tagungen und Versammlungen der Grundstücksbesitzer der neuen Ansiedlung (Schönefeld, Ortsteil Neuer Anbau) statt.

Schriftkunde, erschienen 1862 in Neuschönefeld im Eigenverlag

Schriftkunde, erschienen 1862 in Neuschönefeld im Eigenverlag

Ende 1883 starb Adolf Henze im Alter von 69 Jahren. Im Reudnitzer Tageblatt wurde seinem Nachruf eine Extraseite gewidmet. Darin heißt es:
,,Das scheidende Jahr hat in seinen letzten Tagen, am 28. Dezember, noch einen Mann urplötzlich aus dem Leben gerufen, der über ganz Deutschland, ja in den wissenschaftlichen Kreisen der ganzen Welt in hohem Ansehen stand: Kommissionsrat Adolf Henze, den Begründer der modernen Chirogrammatomantie (Handschrift-Beurteilungskunst)…

Infolge der Sicherheit und Richtigkeit seiner Urteile über Schriftverfälschungen wurde er von den Ministerien aller deutscher Staaten als Sachverständiger empfohlen und bei den meisten Justizbehörden in Pflicht genommen. Sein Urteil wurde in mehr als 10.000 Fällen gefordert und war in zweifelhaften Sachen stets ausschlaggebend…

Beigesetzt wurde er in der Familiengruft zu Schönefeld. Der Leichenwagen prangte im reichen Palmen- und Blumenschmuck. Drei Frauen trugen auf Atlaskissen die letzten Ehrenspenden für den Entschlafenen.“

Buchdruckerei-Inhaberin wurde die Witwe Eleonore Josephine Maria Henze, geb. Zick – Adolf Henze jr. wurde Geschäftsführer. Im Leipziger Adressbuch von 1896 werden die Söhne Arno und Arthur Henze als Redakteure der Verlagsbuchhandlung genannt. Die Familie Henze legte ihr Geld in Form von Immobilien auf ihrem Grund und Boden an: in der Ludwigstraße wurden die Häuser 30 und 36/38, in der Eisenbahnstraße die Häuser 39, 41, 43 und 45 mit ihrem Geld errichtet. Die Häuser in der Eisenbahnstraße waren anfangs wie folgt aufgeteilt:
Besitzer

Grundstücke der Verleger-Familie Henze (um 1910)

Grundstücke der Verleger-Familie Henze (um 1910)

Nr. 39   Felix Hector Adolf  Henze, *06.11.1851, +18.12.1938

Nr. 41   Gebrüder Henze

Nr. 43   Carl Friedrich Arno Henze, *27.08.1842, +21.12.1921

Nr. 45   Carl Friedrich Arthur Henze, *28.06.1845, +05.10.1932

und die Häuser in der Ludwigstraße waren die Verlagshäuser von ,,Henze‘s Verlag“.

[Anmerkung: weiterer nicht im Verlag tätiger Bruder war Gustav Adolf Constantin Henze, *23.06.1838, +19.09.1888]

In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts mussten von der Familie Henze zunächst die Häuser Eisenbahnstraße 41 und 43 verkauft werden, schließlich auch die 39 (1929 wohnte Adolf Henze dort noch in der 2. Etage) und in der Ludwigstraße mussten die Häuser 30 und 32 verkauft werden. Der Verlag hatte zuletzt in der Ludwigstraße 36/38 in der 1. und 3. Etage sein Domizil. Im letzten Grundstücke der Verleger-Familie Henze (um 1910)

Leipziger Adressbuch vor Ende des 2. Weltkriegs, von 1942, ist kein Verlag der Familie Henze mehr zu finden.
Besitzer der Häuser Eisenbahnstraße 45, Ludwigstraße 34 und 36/38 war dieHenzesche Erbengemeinschaft. In der 34 wohnte noch ein A. Henze, technischer Angestellter, und in der 36/38 ein Frl. J. Henze – vielleicht die Nachfahren? Übrigens kann man die letztgenannten Besitzverhältnisse noch heute an den alten Haustafeln lesen.

Fazit: Im Wohngebiet am Neustädter Markt gibt es durchaus erwähnenswerte Traditionen und Persönlichkeiten, auch wenn man das dem Gebiet heute kaum noch ansehen kann.

H. Stein, Leipzig, im September 1993

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2. über +++LANDKARTENGAEBLER+++

L.-Neustadt, Grundstück mit Brandkataster-Nr. 63

L.-Neustadt, Grundstück mit Brandkataster-Nr. 63

Das Haus Neustädter Straße 36 wurde, so kann man den Einträgen im Flurbuch Schönefeld und den alten Gemeindeakten entnehmen, in den Jahren 1871 /72 gebaut. Erste Hausbesitzerin war Frau A. C. Schmidt bis Mitte der achtziger Jahre. Damals wurden die Häuser gemäß Brandkataster-Nummer benannt – das Haus trug deshalb die Nummer 63, später die Bezeichnung Marktstraße 1 (bis zur Jahrhundertwende).

Also erst ab Mitte der achtziger Jahre wird ,,Director“ Eduard Gäbler, später Gaebler geschrieben, als neuer Hausbesitzer und Inhaber eines geographischen Instituts angegeben. Laut Adressbuch des Deutschen Buchhandels hatte Eduard Gaebler aber bereits am 6.10.1866 einen ersten Verlag (in Leipzig oder Umgebung) gegründet. Sein Name taucht erstmals im Jahr 1874 in einer Hausbesitzerliste der Gemeinderatsakten von Schönefeld, Neuer Anbau (ursprüngliche Bezeichnung der Neustädter Ansiedlung) auf. Damals pachtete er das Haus Nr. 4 (später Ludwigstr. 28) für gewerbliche Zwecke von Herrn C. G. A. Tunze.

Aber nicht für einen eigenen Verlag, sondern im Auftrag des Braunschweiger Verlegers George Westermann. Aus den Unterlagen des Deutschen Börsenvereins geht hervor, daß G. Westermann im Jahr 1874 in Leipzig ein geographisch-artistisches Institut gründete. Wörtlich steht dort: ,,Eduard Gaebler, dessen Firma erlischt, wird mit der technischen Leitung betraut.“

Als G. Westermann im Jahr 1879 verstarb, übernahm Gaebler den Leipziger Verlagsableger. Im Gesamt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels wird als Gründungsdatum für ,,Eduard Gaeblers Geographisches Institut“ der 5. Dezember 1879 angegeben.

Als erste größere Verlagspublikation wird in Kayser‘s Bücherlexikon (Ausgabe 1877 bis 1882) ein ,,Special-Atlas der berühmtesten und besuchtesten Gegenden und Städte Deutschlands und der Alpen“ von 1882 angeben.

Gaeblers Verlagshaus, Leipzig-Neustadt, 1984

Gaeblers Verlagshaus,
Leipzig-Neustadt, 1984

Nun wurde das erste Verlagsgebäude zu klein und der Umzug in das Haus Marktstraße 1 erfolgte. Neue Druckmaschinen mussten beschafft werden. Im ,,Reudnitzer Tageblatt“ vom 16. April 1886 steht folgender Artikel:

,,Neustadt. Anläßlich der Inbetriebnahme einer neuen Schnellpresse gab der Chef der Firma Ed. Gaeblers Geographisches Institut seinem Arbeitspersonal nebst Damen am vorigen Sonnabend eine solenne Festivität in Form eines Ausfluges per Omnibus.“

Dabei bedeuten ,,solenn“ lt. Fremdwörterbuch: feierlich, festlich und ,,Omnibus“ vermutlich soviel wie heute ,,Kremser“

In den neunziger Jahren wurde das Seitengebäude Marktstraße 2 errichtet, der Verlag expandierte. Hauptsächlich wurden Landkarten, Schulwanderkarten und Wanderführer herausgegeben. Die Zahl der Veröffentlichungen stieg von 48 im Zeitraum von 1891 – 1895 und 78 im Zeitraum 1896-1900 auf 94 im Zeitraum 1901 – 1905 (Heinrich).

Eduard Gaebler (1842 - 1911)

Eduard Gaebler (1842 – 1911)

Die beiden Verlagsgebäude, jetzt unter der Bezeichnung Neustädter Str.36, reichten nicht mehr aus. Im benachbarten Reudnitzer Gebiet wurde am 1.10.1907 die Buchdruckerei von Carl Schönert, Senefelder Str. 16/20 (gegr. 1869) von Gaeblers übernommen. Als Geschäftsführer werden im Adressbuch des Deutschen Buchhandels für diesen Ableger Friedrich, Robert und Walter Gaebler genannt – meiner Annahme nach Söhne von Friedrich Eduard Gaebler, der mit zwei weiteren Söhnen, Edwin und Adolf als Prokurist bzw. technischer Leiter, den Verlag in der Neustädter Straße bis etwa 1910 leitete. Er hat also, wie ich annehme, die erste große Blütezeit der Firma noch miterlebt.
Im Leipziger Adressbuch aus dem Jahr 1912 wird E. Gaebler als Druckereibesitzer, wohnhaft in Rüssen, angegeben. Vielleicht war das ein AItersruhesitz; Rüssen liegt zwischen Zwenkau und Pegau unmittelbar vor den Toren der Stadt Leipzig.

Im Verlag und den Druckereien haben Gaeblers in diesem Zeitabschnitt sicher 70 bis 80 Arbeiter beschäftigt. Eine besondere Auszeichnung erfuhr der Verlag in Jahr 1912. Ab diesem Jahr wurde Eduard Gaeblers Geographisches Institut zu einem der wenigen speziellen Geographie-Verlagshäuser des Deutschen Buchhandels ernannt. Das hatte eine Reihe handelstechnischer Vergünstigungen mit sich gebracht. Übrigens wurde zum gleichen Zeitpunkt auch das Verlagsgründungsdatum von 1879 auf 1866, erster Gaebler‘scher Verlag, vorverlegt. Als Telegraphen-Adresse galt jetzt: ,,landkartengaebler“ und die Firma war KG geworden. Aber, der mögliche große Sprung zu einem der ganz großen Verlagshäuser misslang. Hauptursache waren der Ausbruch des 1. Weltkrieges und die Nachkriegskrise. Die Produktionszahlen waren auch für den kleinen Verlag Gaebler‘s rückläufig. Wer hatte in diesen Zeiten schon Interesse an Wanderungen in der heimatlichen Umgebung, lustigen Rad- oder Automobil-Ausflügen?

Im Buchhandelsadressbuch aus dem Jahr 1916 wird Eduard Gaebler als Geschäftsführer nicht mehr erwähnt, er war am 8. November 1911 auf seinem Landsitz in Rüssen verstorben.

Aufwärts ging es für ,,Landkartengaebler“ erst wieder in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts. Besonders durch preiswerte Verlagspublikationen versuchte man breite Bevölkerungsschichten zu erreichen. Stadtpläne und Wanderkarten für 1,- RM fanden einen guten Absatz, auch wenn sie sich nur auf das sächsisch-thüringische Gebiet beschränken – oder gerade deshalb?

Hist-59 Hist-60 Hist-58

Nebenbei bemerkt wurden als Druckfarben in der Kartenproduktion häufig Farben der Farbenfabrik Berger & Wirth verwendet. Diese Fabrik befand sich in Schönefeld, gleich gegenüber vom Stannebeinplatz. Eine Inschrift ist auch heute vom S-Bahnhaltepunkt Leipzig-Ost aus noch zu erkennen.

Im Jahr 1926 werden als persönliche haftbare Gesellschafter der Verlagsfirma in der Neustädter Straße Herr Dr. Richard August Streitmann (Börsenvereinsmitglied) und Herr Adolf Gaebler angegeben. Die Druckerei in der Senefelder Straße bestand noch bis zum Jahr 1932, zuletzt unter der Leitung von Robert und Walter Gaebler. Sie musste in der Zeit der Weltwirtschaftskrise geschlossen werden – wieder wenig Zeit für Wanderausflüge.

Nach der Aufgabe des Druckerei-Ablegers in Reudnitz musste auch die eigentliche Verlagsfirma in der Neustädter Straße am 27.4.1935 Konkurs anmelden. Als Konkursverwalter bzw. Leiter wurden die Rechtsanwälte K. Gaus und Dr. 0. Röbel eingesetzt. In dieser Zeit wurde der betagte ehemalige Firmenbesitzer Adolf Gaebler nur noch als Sachbearbeiter geführt, das Verlagsgebäude wurde direkt von der Leipziger Immobilien Verwaltungsgesellschaft mbH verwaltet.

Von 1939 an wurde der Betrieb bis 1942 fortgeführt, ab dem 14.1.1941 als GmbH unter den Geschäftsführern Dr. Rauschenbach, Steinweg und Lindemann.
Die letzte Neuerscheinung datierte aus dem Jahr 1942.

Vermutlich starb Adolf Gaebler Anfang der vierziger Jahre, leider konnte ich keinen Augen/Zeitzeugen mehr ausfindig machen, der mehr darüber weiß…

Nach über 75jähriger Gaebler‘scher Verlagstradition erlosch der einst so populäre Verlag ,,Eduard Gaebler‘s Geographisches Institut Leipzig“, der in diesem Jahr sein 130jähriges Gründungsjubiläum gehabt hätte.

Anmerkung: bis mindestens 1948 unterstand der Verlag pro Forma weiterhin der Leitung der Herrn Rauschenbach, Steinweg und Rumpf, Deutschen Zentraldruckerei AG Berlin SW 11, die aber faktisch keinen Einfluss auf Firmen im sowjetisch besetzten Sektor Deutschland hatten.

gaebler4Leipzig, Im Juni 1996


Nachtrag 2014:

Vielen Dank an den Bürgerverein Neustädter Markt e.V., der mir freundlicherweise die bereits NMJ Mai 2006 und Juni 2007 veröffentlichten Bilder für diesen Artikel zur Verfügung stellte.

Zwanzig Jahre sind nach dem Erscheinen des ersten Artikels über die scheinbar vergessenen Verlage aus dem Neustädter Bereich vergangen. In der Zwischenzeit hatte ich auch Zuschriften der Nachfahren beider Verlegerfamilien erhalten.

Da war ich schon überrascht, als sich herausstellte, dass beide Familien sogar miteinander verwandt sind!

Frau Marion Henze aus München schrieb mir am 22.04.2004 darüber folgendes:

„Mein Mann, Arthur Henze III. ist der Urenkel von Adolf Henze. … Meine Schwiegereltern [waren] 1956 aus der ehemaligen DDR zu ihren Söhnen in den Westen übergesiedelt [und] konnten nur sehr wenige Papiere mitnehmen … Es lebten zwar noch Verwandte in Leipzig, aber alles ältere Leute von über 80 Jahren, die wollten sich mit dem Familienerbe nicht auseinandersetzen und so kamen die Häuser [Ludwigstraße 36/38 und Eisenbahnstraße 45] in Zwangsverwaltung.

… Ich habe versucht, so viel wie möglich bei den [Leipziger] Behörden über den Adolf Henze Verlag in Erfahrung zu bringen, leider ist es furchtbar wenig. Ihr Artikel im Neustädter Markt-Journal über die Eisenbahnstraße und die Verleger Henze und Gaebler freuten mich daher ganz besonders. Ja auch die Gaebler-Familie gehört zu den Henzes: Rosamunde Henze (Tochter von Adolf Henze) heiratete den Eduard Gaebler, welcher dann sein Kartographisches Institut (sicher unter finanzieller Mithilfe seines Schwiegervaters) in der Neustädter Straße gründete…

Auf Ihre Frage nach dem Fortgang des Verlages kann ich Ihnen mitteilen, dass dieser nach dem Tode Adolf Henzes 1883 an die noch lebenden drei Söhne überging und dann von dem Sohn Arthur Henze I. weitergeführt wurde. Es war eine schwere Zeit (1. Weltkrieg, Inflation usw.). Ca. 1932 ging der Verlag an Arthur Henze II. (meinen Schwiegervater) über. Der Verlag war aber mit seinen Maschinen völlig überaltert (noch Steindruck!) und mein Schwiegervater war auch nicht bereit, in die Partei der Nationalsozialisten einzutreten, sodass er von allen Papierlieferungen etc. abgeschnitten wurde. Nach vielen Schikanen wurde der Verlag 1939 aufgelöst und aus dem Handelsregister gestrichen…“

Harald Stein, Leipzig

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